Nachhaltigkeitskommunikation: Vom Reporting zur Wirkung

Inhalt

Nachhaltigkeitskommunikation ist längst kein „Nice-to-have“ mehr, sie ist ein strategischer Erfolgsfaktor.
Unternehmen stehen heute stärker denn je im öffentlichen Fokus: Kund:innen, Investor:innen und Mitarbeitende erwarten Transparenz, Haltung und konkrete Wirkung.
Die Zeiten des reinen ESG-Reportings gehen (wieder) vorbei, jetzt geht es darum, Transformation sichtbar und verständlich zu machen.

Damit Nachhaltigkeit nicht in der Stabsstelle verharrt, braucht es eine klare ESG-Governance, die Verantwortung, Daten und Kommunikation strategisch verknüpft.

1. Nachhaltigkeitsabteilungen im Wandel

Viele Nachhaltigkeitsteams müssen sich von Compliance- und Reporting-Einheiten zu strategischen Entscheidungszentren weiter entwickeln. Ihre Aufgabe wird sich nicht darauf beschränken, Kennzahlen zu sammeln, sie sollen Transformation treiben, Wert schaffen und Kultur verändern. Die Zukunft gehört jenen Teams, die strategisch denken, datenbasiert handeln und wirksam kommunizieren. Diese Veränderung bedeutet: neue Rollen entstehen, andere verlieren an Bedeutung.

2. Rollenübersicht: Wer gestaltet Nachhaltigkeitskommunikation und Nachhaltigkeitsmanagement?

Nachhaltigkeitsabteilungen können heute mehrere spezialisierter Rollen in sich vereinen, von Analyst:innen über Strateg:innen bis hin zu Kommunikator:innen. Alle tragen auf ihre Weise zur Nachhaltigkeitswirkung bei:

RolleBedeutung heute (Status 2024)Bedeutung morgen (Trendentwicklung 2025+)
Value CreatorIn wenigen Unternehmen vorhanden; verbindet vereinzelt Nachhaltigkeit und GeschäftWird zentrale Steuerungsrolle, verknüpft Nachhaltigkeit mit Strategie, Innovation und Wertschöpfung; sorgt für Impact Integration
Change MakerTreibt punktuell Projekte voran; oft Teil von HR- oder KommunikationsinitiativenWird zum kulturellen Übersetzer und Transformationsführer; befähigt Teams, Nachhaltigkeit in Entscheidungen und Verhalten zu verankern
ESG SpokespersonKommuniziert ESG-Themen meist nach außen; häufig noch reaktiv und reputationsgetriebenEntwickelt sich zur strategischen Stimme der Transformation – positioniert das Unternehmen glaubwürdig im Nachhaltigkeitsdiskurs, vermittelt Daten, Haltung und Strategie
WatchdogKontrolliert Richtlinien und Einhaltung von ESG-VorgabenVerliert an Einfluss: Aufgaben werden automatisiert oder in Governance-Strukturen integriert
Content OwnerAggregiert Wissen, erstellt Berichte und TexteWandelt sich zum Knowledge Curator, liefert kontextualisiertes Wissen für Storytelling, Strategie und Entscheidungsprozesse

Nachhaltigkeitskommunikation wird interdisziplinär und kollaborativ, eine gemeinsame Aufgabe von ESG, Kommunikation, Strategie, Finance und HR.

3. Rollen im Wandel: Wer gewinnt, wer verliert

Der Wandel in Nachhaltigkeitsabteilungen ist kein lineares Wachstum, sondern eine Neuordnung von Verantwortung und Einfluss.

🔻 Rollen, die an Bedeutung verlieren

1. Watchdog (Kontrolle und Regeldurchsetzung)
Früher zentrale Figur für Compliance, Kontrolle und Berichtspflichten, künftig zunehmend durch Daten- und Prozessautomatisierung und durch abnehmenden Regultorikdruck entlastet.

„Die Zukunft der Nachhaltigkeit liegt weniger in Kontrolle, sondern in Co-Creation.“
(Econsense × Better Earth Workshop, 2025)

2. Content Owner (Wissenssammlung und Bereitstellung)
Bisher verantwortlich für ESG-Datenhaltung, Dokumentation und Reportingtexte, mit standardisierten Datenmanagementsystemen und stärkerer Einbindung von und Verantwortung bei den Fachfunktionen verliert diese Rolle an relativer Wichtigkeit.

„Content ist nicht gleich Wirkung – wer nur Daten sammelt, wird ersetzt durch Teams, die Daten erklären.“
(ISM × Econsense Kompetenz-Fokus, 2024)

Der reine Wissensbesitz reicht nicht mehr. Künftig zählt, wie Inhalte in Entscheidungen übersetzt und in Wirkung transformiert werden.

🔺 Rollen, die an Bedeutung gewinnen

1. Value Creator (Strategie und Aktivierung)
Die zentrale Brücke zwischen Nachhaltigkeit und Unternehmensstrategie erkennt nachhaltigkeitsbezogene Innovationspotenziale, aktiviert sie und übersetzt Nachhaltigkeitswissen in wirtschaftliche Wirkung, intern wie extern.

„Der Value Creator ist die Antwort auf die Frage, wie Nachhaltigkeit Wert schöpfen kann, nicht nur Wirkung messen.“
(Econsense × Better Earth Workshop, 2025)

Der Value Creator wird zur Schlüsselrolle der nächsten Transformationsphase , ein Impact-Integrator, der Wirkung, Daten und Geschäftsmodelle verbindet.

2. Change Maker (Verankerung und Begleitung)
Er verankert ESG nicht nur in Strategien, sondern in Verhalten, Prozessen und Entscheidungsroutinen.
Nachhaltigkeit wird nur dann lebendig, wenn sie verstanden, verankert und gelebt wird – dafür sorgt der Change Maker.

„Viele Nachhaltigkeitsabteilungen sind exzellent im Berichten, aber zu schwach im Bewegen.“
(Econsense Workshop, 2025)

Die Zukunft verlangt mehr Veränderungsführung als Berichtspflicht, vom „Know the data“ zum „Lead the change“.

Überblick: Rollenentwicklung in der ESG-Governance

RolleEntwicklungKernfunktion
Watchdog🔻 RückläufigKontrolle & Compliance – zunehmend automatisiert und in Governance-Strukturen integriert
Content Owner🔻 StagnierendAggregiert Informationen; wandelt sich zum Knowledge Curator mit Fokus auf Kontext und Relevanz
Change Maker🔺 Stark steigendTreibt Kulturwandel, Engagement und Führungsintegration – verankert Nachhaltigkeit im Alltag
Value Creator🚀 Massiv zunehmendStrategische Brücke zwischen ESG, Innovation & Unternehmenswert – macht Wirkung zum Geschäftstreiber
ESG Spokesperson↗ Aufsteigend / bislang unterschätztPositioniert das Unternehmen glaubwürdig im Nachhaltigkeitsdiskurs – verbindet Daten, Haltung und Story

4. Treiber des Wandels

Die Rollenverschiebung entsteht durch drei ineinandergreifende Dynamiken:

  • Abnehmender Regulatorikdruck: Die EU und Nationalstaaten nehmen Nachhaltigkeitsregulierung zurück bzw. verzögern sie
  • Interner Druck: Viele Unternehmen stehen vor wirtschaftlichen Herausforderungen, aber scheitern daran, Nachhaltigkeitsinnovation als Antwort zu greifen und zu nutzen
  • Ermüdung: Viele Nachhaltigkeitsabteilungen und internen Stakeholder sind von aufwendigen regulatorischen Proezssen der letzten Jahre ermüdet.
  • Externe Erwartungen: Anspruchsgruppen fordern nach wie vor nachvollziehbare, authentische Wirkungskommunikation.

Tipp: Unternehmen sollten

  1. Kompetenzen in Impact, Storytelling und strategischem Denken aufbauen,
  2. Allianzen zwischen Kommunikation, Strategie und Nachhaltigkeit fördern,
  3. Datenmanagement & Content-Orchestration professionalisieren.

5. Erfolgsfaktoren für moderne Nachhaltigkeitskommunikation

  1. Transparenz & Authentizität: Offen über Fortschritte und Herausforderungen sprechen.
  2. Strategische Verankerung: ESG ist kein Kommunikationsprojekt, sondern Unternehmensstrategie.
  3. Storytelling mit Substanz: Daten + Emotion = Glaubwürdigkeit.
  4. Messbare Wirkung: Von „wir machen viel“ zu „wir bewirken etwas“.
  5. ESG-Governance: Rollen, Datenstrukturen und Verantwortlichkeiten klar definieren.

6. Fazit: Vom Bericht zum Beitrag

Die Zukunft der Nachhaltigkeitskommunikation liegt in der strategischen Integration von Daten, Wirkung und Erzählung.
Rollen wie der Value Creator und der Change Maker stehen für diese neue Generation der ESG-Governance:
Sie machen Nachhaltigkeit zum Steuerungsinstrument – und Kommunikation zum Motor echter Transformation.

Wer Wirkung kommuniziert, führt Wandel.
Wer nur berichtet, verwaltet Vergangenheit.

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