DMA Reform: Was sich mit den amended ESRS ändert

Inhalt

Die Reform der Doppelten Materialitätsanalyse (DMA Reform bzw. DWA Reform) stellt einen wichtigen Meilenstein in der Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsberichterstattung nach ESRS dar. Mit dem Entwurf vom Juli 2025 schafft die EFRAG mehr Klarheit, Pragmatismus und Entlastung für Unternehmen – ohne den Anspruch an Transparenz und Qualität signifikant zu reduzieren.

Die Grundlagen zur CSRD können Sie in unserem Artikel Die CSRD Wesentlichkeitsanalyse: Kernbaustein Ihrer Nachhaltigkeitsstrategie 2025 nachlesen.

Im Mittelpunkt der DMA Reform steht ein moderner, risikoorientierter und stärker strategisch ausgerichteter DMA-Prozess, der Unternehmen erlaubt, sich konsequenter auf tatsächlich wesentliche Nachhaltigkeitsthemen zu konzentrieren. Im Zentrum steht ein DMA-Prozess, der effizienter, praxisnäher und risikoorientierter wird.

1. Weiterentwicklung des DMA-Prozesses: Top-down und Bottom-up

Top-down-Ansatz (neu)

Der Prozess beginnt mit einer Analyse von:

  • Geschäftsmodell
  • Strategie
  • Wertschöpfungskette
  • zentralen Stakeholdern

Aus diesen übergeordneten Elementen werden potenziell relevante Themen sowie IROs (Impacts, Risks, Opportunities) abgeleitet. Der Ansatz ist managementorientiert, strategischer ausgerichtet und reduziert den Aufwand des initialen Screenings – ein entscheidender Fortschritt der DMA Reform.

Bottom-up-Ansatz (bisher üblich)

Der klassische Bottom-up-Ansatz bleibt weiterhin zulässig. Er basiert stärker auf Stakeholderdialogen, Datenerhebungen und Detailanalysen entlang einer langen Liste möglicher Themen und (Unter)unterthemen. Durch die Ergänzung um den Top-down-Ansatz entsteht eine höhere methodische Flexibilität – ein ausdrückliches Ziel der DMA Reform.

2. Informationswesentlichkeit als neues Kernkriterium

Die DMA Reform stärkt die ‚Materiality of Information‘ deutlich. Die EFRAG stellt klar: Der Wesentlichkeitsfilter bezieht sich künftig nicht mehr nur auf Kennzahlen, sondern auf alle offengelegten Informationen.

Das bedeutet:

  • Berichtspflichten bestehen nur für Informationen, die tatsächlich entscheidungsrelevant sind.
  • Freiwillige Angaben bleiben möglich, müssen aber klar als solche gekennzeichnet werden.
  • Die Themenliste in ESRS 1 AR 16 ist nur noch illustrativ – kein verpflichtendes Raster, als das sie bisher mitunter genutzt wurde.

Damit bringt die DMA Reform eine spürbare Fokussierung: weg von überladenen, compliance-getriebenen Berichten, hin zu präzisen und relevanten Offenlegungen.

3. Brutto- vs. Netto-Perspektive

Ein weiterer zentraler Fortschritt der DMA Reform ist der Umgang mit bereits implementierten Maßnahmen.
Hier zeigt sich jedoch auch eines der komplexesten und noch nicht vollständig harmonisierten Themen innerhalb der EFRAG.

Brutto oder Netto? Ein differenziertes Vorgehen

Die Reform sieht vor, dass bereits wirksame Maßnahmen künftig in der Wesentlichkeitsbewertung berücksichtigt werden dürfen. Das betrifft insbesondere Fälle, in denen:

  • eine Maßnahme ein Risiko oder einen negativen Impact vollständig neutralisiert
  • oder die Eintrittswahrscheinlichkeit deutlich reduziert wurde

In solchen Fällen gilt das Thema nach der DMA Reform nicht mehr als wesentlich.

Allerdings ist die Logik, wann Brutto (ohne Maßnahmen) und wann Netto (mit Maßnahmen) bewertet werden soll, in den EFRAG-Dokumenten noch nicht einheitlich. Der Anhang enthält eine umfangreiche grafische Darstellung, die zeigt:

  • Für bestimmte Impact-Themen soll Brutto bewertet werden, um systematische Risiken sichtbar zu machen.
  • Für Risiko- und Chancenbewertungen ist teilweise Netto zulässig, sofern Maßnahmen messbar wirksam sind.
  • Innerhalb der EFRAG besteht keine vollständige Einigkeit, was Unternehmen Interpretationsspielräume eröffnet.

Für Unternehmen bedeutet dies zweierlei:

  1. Proaktive Nachhaltigkeitsleistungen werden stärker anerkannt.
  2. Bürokratie wird reduziert, da Themen mit bereits adressierten Risiken nicht erneut aufwendig analysiert werden müssen.
  3. Mehr Freiheit bei der Methodenwahl bietet mehr Gestaltungsraum. Den gilt es allerdings auch sinnvoll zu nutzen.

Eine schon vor der Reform oftmals akzeptierte Sichtweise grenzt strukturelle von anderen Maßnahmen ab. Strukturelle Maßnahmen verändern die Wesentlichkeit, andere nicht. So stellen wir uns regelmäßig die Frage, ob „einfache“ operative Entscheidungen die Maßnahme aushebeln und damit den Impact bzw. das Risiko wieder vergrößern können. Kann z.B. jeden Tag entschieden werden, statt Grün- wieder Graustrom zu kaufen, dann ist von einer strukturellen Senkung der Klimaauswirkung nicht auszugehen. Ist hingegen über Langfristverträge der Grünstromeinkauf strukturelle verankert und kann operativ nicht ohne weiteres verändert werden, so beeinflusst das die Wesentlichkeit.

Fazit: Mehr Fokus, weniger Bürokratie

Die DMA Reform kann die doppelte Materialitätsanalyse zu einem pragmatischeren, praxisorientierten und strategischeren Instrument machen. Unternehmen können konkret profitieren von:

  • weniger Komplexität und klareren Prozessen
  • mehr Methodikfreiheit (Top-down und Bottom-up)
  • Anerkennung bereits umgesetzter Maßnahmen
  • einer stärkeren Fokussierung auf tatsächlich wesentliche Themen

Niagara Falls Bild

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